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Tauwetter
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Geschichte der AnlaufstelleIm Frühjahr 1995 wurde in Berlin aus einer Selbsthilfegruppe heraus die Anlaufstelle Tauwetter gegründet. Ziel war es Männern, die als Junge Opfer sexualisierter Gewalt geworden waren Unterstützung bei der Bildung von Selbsthilfegruppen und durch Einzelberatung zukommen zu lassen. Tauwetter ist bis heute im Bundesgebiet einzigartig und wird demzufolge auch überregional in Anspruch genommen. Tauwetter arbeitet von Anfang an nach dem Prinzip, "als Betroffene für Betroffene". Gerade dieser Ansatz ermöglicht vielen ratsuchenden Männern erst den Zugang zu einem Hilfeangebot, denn all zu oft hatten sie erleben müssen, mit ihren Erfahrungen nicht ernst genommen zu werden. Mit diesem Ansatz verbunden ist die Vorstellung, eine Unterstützung sozusagen "auf gleicher Augenhöhe" anzubieten, ohne die verbreitete Hierarchisierung zwischen SozialarbeiterIn / TherapeutIn und Klient. Dies bildet in unseren Augen keinen Widerspruch zu einem möglichen Erfahrungsvorsprung, die Bearbeitung der erlebten Gewalt betreffend. Mit dem gleichen Ansatz versuchen wir UnterstützerInnen oder PartnerInnen betroffener Männer zu begegnen. Die zunehmende Erfahrung in der Arbeit und diverse Fort- und Weiterbildungen führten im Laufe der Jahre dazu, dass die Beratungsarbeit zunehmend professioneller wurde. Die Qualität der Beratung stieg kontinuierlich, ein Effekt, der durchaus gewollt war. Damit einhergehend stiegen aber auch die eigenen Ansprüche an die Mitarbeitenden. Diese Entwicklung erschwerte neu Einsteigenden den Anfang enorm und führte schließlich zu einem vermeintlichen Widerspruch zwischen Professionalisierung und Selbsthilfe. Diese gesamte Arbeit wurde über weite Strecken ehrenamtlich geleistet. Die Grenze, so zu arbeiten, war irgendwann nicht nur erreicht, sondern überschritten. Die Fluktuation unter den Mitarbeitern hatte eine Größenordnung erreicht, dass mensch nur noch von "Verschleißen" reden konnte. Es ergab sich die Notwendigkeit, die gesamte Anlaufstelle neu zu strukturieren. Bei dieser Gelegenheit haben wir auch unser Konzept überarbeitet und schriftlich festgehalten. Seit Frühjahr 2002 unterteilt sich Tauwetter in eine Informations- und Beratungsstelle mit professionellen Mitarbeitern und einen eigenständigen Selbsthilfebereich, der von Männern aus der Selbsthilfe ehrenamtlich getragen wird. Tauwetter hat im Laufe der letzten fünfzehn Jahre sechzehn Selbsthilfegruppen neu aufgebaut, ca. 1000 Beratungsgespräche durchgeführt, und ungefähr 30 Informationsveranstaltungen gemacht. Ein Selbsthilfehandbuch und mehrere Fachartikel wurden veröffentlicht und an mehrere Kongressen aktiv teilgenommen. Immer wichtiger ist auch das Internet geworden. Konkret finden inzwischen fast die Hälfte der Männer darüber zu uns. Die Homepage mit der Seite von Adressen von Unterstützungsangeboten wird von betroffenen Männern aus dem gesamten Bundesgebiet genutzt. Wir haben einen Fachtag und eine Veranstaltungsreihe gemacht. Seit 2003 bieten wir für interessierte Einrichtungen Fortbildungen zu sexueller Gewalt gegen Jungen an und seit 2004 sind wir mit Informationsveranstaltungen für Jungen in Oberschulen zum Thema sexuelle Gewalt gegen Jungen aktiv. Tauwetter erhält für den Selbsthilfebereich eine Basisfinanzierung des Berliner Senats für Gesundheit und Soziales. Von 2007 bis 2009 hatten wir für die Beratungsstelle eine Finanzierung durch die Deutsche Fernsehlotterie. Tauwetter ist zur Finanzierung nach wie vor auf Spenden und Fördermitglieder angewiesen. Tauwetter ist Mitglied im DPW und in der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -Vernachlässigung e.V. (DGfPI). Darüberhinaus bauen wir einen Qualitätszirkel zur Praxis Betroffenenkontrollierter Projekte gemeinsam mit der antipsychiatrischen Kriseneinrichtung "Weglaufhaus" und der Frauenselbsthilfe von Wildwasser Berlin auf. |
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