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2002 ist im Tectum Verlag Marburg folgende Diplomarbeit veröffentlicht worden, dessen Inhalt wir anhand eines Teils der Einführung vorstellen möchten: Jean-Baptiste Rossilhol: Sexuelle Gewalt gegen Jungen. DunkelfelderAus der Einführung:"Ich befasse mich in dieser Arbeit mit sexueller Gewalt gegen Jungen. Die im Titel benannten Dunkelfelder sind der sexuelle Missbrauch von Jungen durch andere Kinder oder Jugendliche, der sexuelle Missbrauch durch weibliche Täterinnen und der sexuelle Missbrauch von Jungen durch Pädosexuelle. Neben der Analyse des Forschungstandes zu den drei Dunkelfeldern geht es mir um verschiedene andere mit diesen verknüpfte Thematiken. Dies sind die allgemeine Unterbewertung sexuellen Missbrauchs an Jungen als Folge vergeschlechtlichter Wahrnehmung und die Erklärung der Ätiologie sexuellen Missbrauchsverhaltens durch die Annahme der zyklischen Weitergabe desselben. Zum Zusammenhang dieser Themenkomplexe wird im zweiten Kapitel unter dem Stichwort 'Fragestellung' mehr gesagt. Es geht mir in dieser Arbeit nicht allgemein um die Folgen sexuellen Missbrauchs an Jungen. Es geht mir weiterhin nicht um Möglichkeiten der Prävention sexuellen Missbrauchs oder um die Therpie von Opfern oder Tätern. Es geht ebenfalls nicht allgemein um vergeschlechtlichte Verarbeitungsmechanismen. D.h. diese und andere Themen tauchen zwar auf, stehen aber nicht im Mittelpunkt meines Erkenntnisinteresses. Ich hoffe natürlich, dass die Ergebnisse dieser Arbeit zu einem besseren Umgang mit sexuellem Missbrauch beitragen könnten. Die behandelten Fragestellungen und ihre möglichen Lösungen bilden die Grundlage der Prävention sexuellen Missbrauchs und haben wesentliche Bedeutung für die TäterInnentherapie. Während der 'wissenschaftliche' Diskurs den im zweiten Kapitel dargelegten Fragestellungen und ihren Überprüfungen folgt, verfolge ich mit dem Schreiben dieser Arbeit noch ein weiteres Ziel. Durch die Diskussion und ausführliche Darstellung des Themas strebe ich einen Effekt an, der z.B. durch Aussagen wie "10% aller Jungen werden sexuell missbraucht", nicht erreicht wird. Durch die thematisch verdichtete Darstellung wird für den Leser Wirklichkeit konstruiert. Möglicherweise wird einTeil der 'versteckten' (oder aktiver: von uns ausgeblendeten oder verleugneten) Wirklichkeit des Missbrauchsgeschehens von Jungen rekonstruiert. Dies geschieht eher durch Details und Platizität, die in erzählerischer Form vorkommen, als durch Zahlen. Nach der Einleitung und der Erläuterung der Fragestellung komme ich im dritten Kapitel, der den Hauptteil der Arbeit bildet, zur Beschreibung der Literatur und der Forschungsergebnisse zu den drei Dunkelfeldern. Vorangestellt wird dem eine kurze Einführung in den wissenschaftlichen Diskussionstand zu Definition und Ausmass sexuellen Missbrauchs an Jungen. Nach der Darstellung der Erkenntnisse aus den drei Dunkelfelders erfolgt jeweils eine kurze Bewertung für die Fragestellungen. Im vierten Kapitel geht es um Aspekte der vergeschlechtlichten Wahrnehmung. Diese bilden meiner Ansicht nach die wichtigste Barriere für die Wahrnehmung sexuellen Missbrauchs an Jungen. Forschung zu sexuellem Missbrauch sieht sich immer noch mit dem Phänomen der Verleugnung und Nicht-Wahrnehmung konfrontiert. Es sind nicht nur die TäterInnen, die verleugnen. Auch das soziale Umfeld und die Gesellschaft insgesamt leugnen das Ausmass und die Relevanz sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Die Verleugnung schafft so auch die Voraussetzung für das Weiterbestehen und die Weitergabe des sexuellem Missbrauchs. Nicht zuletzt sind es auch die Opfer sexuellen Missbrauchs, die (um zu überleben) lernen mussten, das traumatische Erlebnis abzuspalten. Mit geschlechtsspezifischer Nicht-Wahrnehmung meine ich die Mechanismen, welche verhindern, dass speziell Jungen überhaupt als Opfer sexuellen Missbrauchs erkannt werden. Mädchen dürfen immerhin (und müssen leider) in der eigenen Wahrnehmung und derjenigen Fremder Opfer sein. Im fünften Kapitel bespreche ich die bisherigen Auffassungen zum Thema der zyklischen Weitergabe sexuellen Missbrauchs und die möglichen innerpsychischen Dynamiken, die einer solchen zugrunde liegen könnten. Mit der Erstellung eines Modells zur zyklischen Weitergabe sexuellen Missbrauchs versuche ich, die dazu vorliegenden Erkenntnisse zusammenzufassen. Es folgt im letzten Kapitel eine kurze Zusammenfassung und Bewertung der Erkenntnisse. Dies geschieht auch im Hinblick auf die klinische Praxis der Arbeit zu sexuellem Missbrauch und die weitere Forschung zum Thema. ..." |
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