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Aus Prävention, Zeitschrift des Bundesvereins zur Prävention von sexuellem Missbrauch an Mädchen und Jungen, Nr 4, 2003

Thomas Schlingmann:

Geschlechtsspezifische Verarbeitungsmöglichkeiten für männliche Opfer sexualisierter Gewalt

Um die Verarbeitungsmöglichkeiten von männlichen Opfern sexueller Traumatisierung im Kindes- oder Jugendalter zu betrachten, müssen wir gleichsam zwei Folien übereinander legen: "Sexuelle Traumatisierung" und "Männlichkeit". In der Doppelnummer 1-2/2003 der Prävention hat Dr. Ingrid Olbricht sich ausführlich mit dem Thema "Sexuelle Traumatisierung" beschäftigt. Sie hat dabei einen Schwerpunkt auf die Folgen und Verarbeitungsmöglichkeiten für Frauen und Mädchen gelegt hat. Ich werde mich auf Besonderheiten bei männlichen Opfern sexualisierter Gewalt beschränken. (Zu Trauma und Traumafolgen: Herman, J. L. (1993). Die Narben der Gewalt. Traumatische Erfahrungen verstehen und ueberwinden. Kindler Verlag. Oder auch Willi Butollo, Maria Hagl & Marion Krüsmann (1999): Kreativität und Destruktion posttraumatischer Bewältigung, Klett Cotta.)

Ein Trauma ist ein Ereignis, das für das Opfer eine existentielle Bedrohung darstellt und worauf das Opfer mit Panik, Hilflosigkeit und Entsetzen reagiert. (Ich rede im folgenden meist von Opfer in der Einzahl, obwohl es natürlich auch Situationen gibt, in denen mehrere Personen traumatisiert werden.) Die Vorgeschichte des Opfers spielt eine wichtige Rolle dabei, wann das Opfer hilflos ist und mit Panik reagiert. Es wird also darum gehen, welchen Einfluß die geschlechtsspezifische Sozialisation bei einem Jungen auf die Vulnerabilität hat und welche Einschränkungen und Möglichkeiten im Zugang zu Ressourcen aus seiner "Männlichkeit" entstehen.

"Wann ist denn man ein Mann?" (H. Grönemeyer)

  • Männlichkeit ist eine Position im Geschlechterverhältnis: Die einen sind männlich, die anderen weiblich, die einen haben mehr zu sagen, die anderen weniger. Das steht schon in einem Verhältnis zu biologischen Unterschieden, meint aber vor allem das soziale Geschlecht.
  • Männlich ist das, was unternommen wird, im die männliche Position im Geschlechterverhältnis einzu-nehmen, typisch männliche Verhaltensweisen eben. Eine Frau, die besonders erfolgreich ist, steht ihren "Mann" und nicht ihre "Frau"
  • Zu Männlichkeit gehören ferner die Auswirkungen dieses männlichen Verhaltens auf die einzelnen und die gesamte Gesellschaft: Ein Betrieb kann zutiefst männlich strukturiert sein, ein muskulöser Oberkörper gilt ebenso als männlich.

Sinngemäß nach: Robert W. Connell (2000): Der gemachte Mann, Leske und Budrich.

Wichtig ist, sich vor Augen zu halten, dass es zwar einerseits eine hegemoniale, also bestimmende oder führende Konzeption von Männlichkeit gibt, aber andererseits je nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe durchaus auch andere Konstruktionen von Männlichkeit. Im Bildungsbürgertum sind es andere als im Arbeitermilieu, in der "Alternativszene" andere als in ländlich katholisch geprägten Regionen. Und unterschiedlich ist auch der Zugang zu Ressourcen, zu finanziellen Mitteln, zu emotionalen, zu intellektuellen Fähigkeiten, zu sozialen Netzwerken, ... Wenn wir diese Tatsache uns nicht vor Augen halten, laufen wir Gefahr, durch Zuschreibungen eher die schädlichen Teile hegemonialer Männlichkeit zu verstärken, als nach Ansätzen zu suchen, die ganz individuell Veränderungsmöglichkeiten eröffnen.

Wie wird ein Junge zum Mann?

Männlichkeit bedeutet für viele Jungen primär "nicht weiblich". Ihre Vorstellungen werden weniger von konkret greifbaren Männern beeinflusst, als von Bilderbuch- und Comicfiguren, Fernsehhelden und Sportikonen oder Werbungsträgern. Und last but not least entscheidet die Jungen-Peer-group, wenn nicht schon in Kindergarten, dann spätestens in der Grundschule. An deren Diktion, was sich für einen richtigen Jungen gehört, scheitern wohlmeinende Eltern und vor allem Mütter regelmäßig. In diesen Peer-groups werden Unsicherheiten übertüncht, haben Schwächen keinen Platz und es finden permanente Rangkämpfe statt. Der Selbstwert des Einzelnen definiert sich aus der Position in der Hierarchie, wobei das entscheidende ist, dass es andere auf niedrigeren Rängen gibt. Zur Durchsetzung innerhalb der Hierarchie ist oftmals Gewalt, auch sexualisierte Gewalt ein akzeptiertes Mittel. Der Wert der Gruppe, der natürlich auf alle Mitglieder abfärbt, bildet sich ähnlich. Die Gruppe erklärt sich zu etwas ganz besonderem und allen anderen überlegen. In Ermangelung eigener grandioser Gruppenleistungen werden andere abgewertet, womit die Überlegenheit bewiesen wäre. Wer sich bei dieser Auseinandersetzung mit der Aussenwelt "mannhaft" schlägt, gewinnt an Ansehen und an Aufstiegschancen innerhalb der Gruppe. So wird früh eingeübt, dass die Herabsetzung von anderen dem eigenen Selbstwert dient – Herabsetzung sowohl innerhalb der Gruppe, als auch von nicht dazu gehörenden. Das sind natürlich immer die Mädchen (oder Frauen) und oft auch Menschen anderer Herkunft. Gleichzeitig würden die meisten Jungen, wenn sie ehrlich wären, den Ansprüchen nicht genügen. Aus dem spielerischen Ausprobieren einer Rolle wird in zunehmendem Maße ernst. Die Inszenierung wird perfektioniert und der Rest negiert. Um mit der Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und Inszenierung umzugehen, wird versucht, das Wissen um die Brüchigkeit der Rolle zu verdrängen. Irgendwann haben wir dann einen erwachsenen Mann, dessen Selbstwertgefühl auf seiner Position in der Hierarchie und der Herabsetzung anderer basiert, dessen Selbstwahrnehmungsfähigkeit in weiten Teilen eingeschränkt ist und dem es an Empathiefähigkeit mangelt. (Das war jetzt zum besseren Verständnis ein vereinfachtes Bild, die Realität ist zum Glück oft vielschichtiger.)

Sexualisierte Gewalt und Geschlechtsrollenidentität

Der zentrale Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Opfern dürfte die unterschiedliche Auswirkung auf ihre Geschlechtsrollenidentität sein. Kindheit und Jugend sind das Alter des Wachsens, des "noch nicht Erwachsen Seins". Der Körper wächst in einem Tempo, das er den Betreffenden oft fremd wird. Aus dem Wachsen des Körpers heraus, mit zunehmender Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale, werden geschlechtsspezifische Anforderungen gestellt. Jugendliche erleben also eine enge Wechselwirkung zwischen ihrem Körper und der Geschlechtsrolle. Vor diesem Hintergrund gewinnt sexualisierte Gewalt an Bedeutung: Sie stellt einen körperlichen Angriff dar, der auf die Konstruktion der Geschlechtlichkeit durchschlägt: Während er für Mädchen eine Zuweisung in die "weibliche" Rolle darstellt, stellt er für Jungen die "männliche" in Frage. (Dies gilt auch, wenn Frauen die Täterinnen sind. Auf die Besonderheiten dieser Situation wird später noch eingegangen. Zu den Auswirkungen auf die Geschlechtsrollenidentität vgl. auch Hermann (1993): Die Narben der Gewalt, Kindler Verlag) Entsprechend der Geschlechtsrolle haben Jungen und Mäd-chen unterschiedlich Zugang zu den verschiedenen Ressourcen. Jungen dürfen weniger Schwäche zeigen, sich weniger Hilfe holen ... So verringern sich die Chancen, das Trauma zeitnah zu verarbeiten. Die Wahrscheinlichkeit einer Chronifizierung der Folgen steigt. Dies erhöht das individuelle Leid, erfordert einen späteren, meist schwierigeren Verarbeitungsprozess und steigert die gesellschaftlichen Folgekosten.

Männlichkeit und Opferstatus

Eins haben alle Konstruktionen von Männlichkeit gemeinsam: Männer sind keine hilflosen Opfer. Gleichzeitig ist aber unübersehbar: Männer können mindestens bei Auseinandersetzungen mit anderen Männern unterlegen sein - im Betrieb oder im Sport, auf der Straße und im Krieg. Es kommt darauf an, ob sie "wie ein Mann" gekämpft haben und wie sie mit der Niederlage umgehen. Ein Mann, der heldenhaft "bis zum Tod" gekämpft hat, bleibt ein Held. Wer aber das Vernünftige tut und vor einem übermächtigen Gegner flieht, ist ein Feigling, ein Opfer. Dieses Bild ist auch 85 Jahre nach der Dolchstoßlegende ein elementaren Bestandteil hegemonialer Männlichkeit. Der Angriff auf die männliche Position im Geschlechterverhältnis, den eine Niederlage darstellt, kann durch männliches Verhalten abgewendet werden. Erst wenn ein Mann aufgibt, wird er zum unmännlichen Opfer. Ist der Opferstatus einmal erreicht, ist er lebenslänglich. Handelndes Subjekt zu sein ist männlich, das passives Objekt ist unmännlich und damit weiblich. Letzteres gilt insbesondere auf sexuellem Gebiet. Wenn erwachsene Männer durch andere Männer vergewaltigt werden (in der Beziehung, in Männerbünden (z.B. Armee), im Knast oder im Lager) dient es dazu, den anderen gezielt herabzusetzen, ihm seine Männlichkeit zu rauben – sei es, um ihn als Konkurrenten auszuschalten, sei es, um so die eigene Männlichkeit und Überlegenheit unter Beweis zu stellen. Ohne es so formulieren zu können, weiß das jeder Junge. Jungen, die sexuell traumatisiert werden, ob als Kind oder Jugendlicher, erleben einen Angriff, der zutiefst ihre Männlichkeit in Frage stellt (Zu den Auswirkungen auf die Geschlechtsrollenidentität vgl. auch Hermann (1993): Die Narben der Gewalt, Kindler Verlag ) Es tut sich ein gewaltiger Graben auf zwischen (internalisiertem) Anspruch und Umsetzungsmöglichkeiten auf.

Charles Bronson, I-Aah und James Dean

Es gibt verschiedene Strategien mit dieser Situation umzugehen. Welche Strategie wem offensteht, hängt von den Ressourcen des Betreffenden ab, den persönlichen und denen die das Umfeld zur Verfügung stellt. (Es geht bei dieser Typologie nicht um konkrete, bewusste Vorbilder, sondern eher um Muster. Wie jede Typologie ist sie grob vereinfachend. Es gibt eine Vielzahl von Zwischentönen. Meist geht es eher darum, wer hat wieviel Anteile von wem, als um die Frage, wer steht an welchem Extrem. Es gäbe eine Reihe weiterer spannender Figuren: Robin Hood, den Retter der Armen, J. R. Ewing, Peter Pan... Die gewählten sind aber meines Erachtens für dies Thema gut brauchbar. Eine ähnliche Typologie (Normalisierer, Täter- und Opfertypen) haben Kuessel u.a. erstellt (Kuessel, M., Nickenig, L. & Fegert, J. M. (1993) "Ich hab' auch nie etwas gesagt" – Eine retrospektiv-biographische Untersuchung zum sexuellen Missbrauch an Jungen. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 42, 278-284.)

Charles Bronson, der Rächer

Als Charles Bronson 64-jährig gefragt wurde, warum er sich auf einen Rollentyp festgelegt habe, meinte er: "Vielleicht porträtiere ich Figuren aus meiner Vergangenheit, die das Leben hart gemacht hat und die sich ihre eigenen Gesetze schaffen müssen, um überleben zu können." Ob als traumatisierter Junge in "Spiel mir das Lied vom Tod", der als Erwachsener eiskalt und geduldig Rache nimmt, oder als eigentlich friedlicher Mann in "Ein Mann sieht rot", der gezwungen ist, zurück zu schlagen – durch die Rache erhalten diese Figuren ihre Männlichkeit. Solch ein Mann ergibt sich nicht, er gibt sich nicht auf. Er igelt sich ein und wartet auf seine Chance. Er bleibt handelndes Subjekt, selbst wenn es von aussen anders aussieht. Dieser Rachegedanke stärkt Betroffene in ihren Überlebenswillen: "Wenn ich groß bin, werde ich mich rächen". Seine Allmachtsphantasien knüpfen nahtlos an das von vielen Traumaopfern geschlechtsunabhängig empfundene Gefühl der Einzigartigkeit an. So entsteht eine gerade bei traumatisierten Männern häufig vorkommende Mischung aus Größenwahn und Minderwertigkeitsgefühlen. Charles Bronson ist gleichzeitig ein Typ, der in seinem Bestreben, seine Männlichkeit zu bewahren, Gefahr läuft, selber zum Täter zu werden.

I-Aah, der Looser

I-Aah, der Esel aus dem Kinderbuch "Winnie der Puh" ist der ewige Verlierer. Wenn irgend etwas schief geht, trifft es ihn mit Sicherheit. Er weiß es, fügt sich und resigniert. Als Form von Männlichkeit gibt es den Looser gar nicht, denn er hat sich damit arrangiert, dass er Opfer ist. Er hat den Opferstatus verinnerlicht und das lebenslänglich akzeptiert. Wenn seine Männlichkeit nicht identitätsstiftend sein kann, kann es aber der Opferstatus. So hat I-Aah auf die "weibliche" Seite gewechselt. Da er dies aber nicht aus freien Stücken, aus einer bewussten Entscheidung heraus getan hat, sondern in der Reduzierung auf das Opfersein, kann er sich nicht im Gegenzug positive, "weibliche" Fähigkeiten aneignen, wie soziale und emotionale Kompetenz. I-Aah läuft ein erhöhtes Risiko reviktimisiert zu werden, was ihn jedesmal erneut bestätigt. Er sabotiert unbewußt alle Versuche, seine Situation zu ändern. Er ist zutiefst überzeugt, dass es niemand anders gibt, dem es so schlecht geht wie ihm. So hat auch er seine Einzigartigkeit gerettet. Der Looser ist teilweise aber durchaus zu Aggression in der Lage. Um seine Einzigartigkeit zu verteidigen, wird er gleichsam ein militantes Opfer. Dies kann von Verbitterung und Zynismus bis zu offener Gewalt reichen. Sowohl dem passiven, als auch dem aggressiven Leiden ist die Weigerung, Verantwortung für sich selber zu übernehmen, gemeinsam.

James Dean, der Rebell

James Dean ist ein Rebell gegen die Vatergesellschaft, der irgendwo tief in sich einen Schmerz trägt, der seine verlorene Mutter sucht, der auf tragische Weise viel zu früh stirbt und eigentlich erst nach seine Tod so richtig als Held erkannt wird. Er ist zugleich männlich und unter den Vorgaben der Männlichkeit der 50er Jahre leidend. Er leidet unter der Sprachlosigkeit und Kälte und ist selber sprachlos. Er sucht eine andere Art von Männlichkeit. Sie widerspricht zwar der herrschenden Vorstellung an einigen Punkten, aber sie konkurriert eher um die Macht, und stellt nur bedingt die Konstruktion von Männlichkeit prinzipiell in Frage. Auch dieser Mann ist einsam, wieder finden wir die Momente der Einzigartigkeit. Im Gegensatz zu Charles Bronson ist dieser Mann verletzlich, er zeigt es ansatzweise auch. In dieser Figur kommen die Anteile des hilflosen Erleidens, des Objektseins stärker zum Ausdruck, aber James Dean rebelliert, er gewinnt also seine Subjekthaftigkeit zurück. Der Versuch, einen eigenen Weg zu finden, das Hinterfragen des Bestehenden steht nur wenigen Jungen offen. Sie laufen extreme Gefahr, diskriminiert und Opfer der Peer-group zu werden. Dieser Weg kann oft erst in einem späteren Alter, als Erwachsener, eingeschlagen werden. Hier erst wird den Betreffenden klarer, dass die Normen der hegemonialen Männlichkeit für sie persönlich einen Zwang darstellen, der ihr Leiden verschärft. Erst wenn die Kultur der Zweigeschlechtlichkeit in Frage gestellt wird, öffnen sich für Jungen Freiräume, wo sie ihre Männlichkeit nicht unter Beweis stellen müssen. Damit verbessern sich die Chancen, auf eine zeitnahe Verarbeitung des Traumas.

Posttraumatische Belastungsstörung bei Männern

Einschränkung der Affektdifferenzierung und -regulation, Unfähigkeit zu vertrauen, eingeschränkte Beziehungsfähigkeit, exzessive Risikobereitschaft, Kontrollzwang, Hyperarrousal und Hypervigilanz, ... ein Teil der Symptome einer postraumatischen Belastungsstörung scheint nahtlos an "typisch männliches" Verhalten anzuknüpfen. Es wäre naheliegend, wenn diese bei männlichen Traumaopfer häufiger auftauchen würden, als bei weiblichen. Ich kenne leider aber keine Untersuchung über die Besonderheiten der posttraumatischen Belastungsstörung bei Männern, insbesondere nicht nach sexueller Traumatisierung. Bei Tauwetter beratene Männer berichten häufig über Symptome, die in die Kategorien Vermeidung und Hyperarrousal gehören, aber erstaunlich wenig über Wiedererleben des Traumas. Die Schlussfolgerung, dass Männer, die als Junge Opfer sexueller Traumatisierung geworden sind, nicht so häufig unter einer PTBS leiden, ist aber vorschnell.

  • Bei genauerem Nachfragen stellt sich heraus, dass viele durchaus für sie unerklärliches, schubweises Herzrasen, Schweißausbrüche oder schnellere Atemfrequenz kennen. Sie bringen dies aber weder mit dem Trauma in Verbindung, noch begreifen sie es als körperliche Formen des Wiedererlebens.
  • Viele Männer haben eine eingeschränkte Wahrnehmung des eigenen Körpers. Es gibt demzufolge einen nicht unerheblichen Teil von Männern, die diese Symptome eines Wiedererlebens des Traumas gar nicht registrieren.
  • Ein weiterer Teil, hat sein Vermeidungsverhalten soweit perfektioniert, dass er Trigger effektiv meidet. Der geringe Anteil von Berichten über ein Wiedererleben des Traumas relativiert sich also, er könnte aber ein Hinweis dar-auf sein, dass es bei Männern häufiger zu einem körperlichen Wiedererleben kommt, als zu Flashbacks mit Bildern und Regressionen.

Der Wandel der Bilder

In einer qualitativen Untersuchung zur geschlechtsspezifischen Bewältigung sexualisierter Gewalt hat Silke-Birgitta Gahleitner festgestellt, dass es für sexuell traumatisierte Jungen zunächst häufig notwendig zu sein scheint, die Gewalterfahrung durch besonders männliches Verhalten zu kompensieren. Später allerdings hat diese Fixierung für viele Männer destruktive Auswirkungen. Wenn es zu einer Aufarbeitung der erlebten sexualisierten Gewalt kommt, wird es daher bedeutsam, auch weiblich konnotierte emotionale Fähigkeiten (wie z.B. Affektorientierung, -differenzierung und -regulierung) zu erwerben. Für das Überleben nach dem Trauma scheint eine klare Geschlechtsidentität zunächst also Sicherheit zu vermitteln. Zu einer erfolgreichen Verarbeitung des Traumas braucht es jedoch eine gewisse Flexibilität in der Geschlechtsrolle und im Einsatz kognitiver ("männlicher") und emotionaler ("weiblicher") Bewältigungsstrategien (vgl. Gahleitner, 2003, S. 217 ff.) Bei der Unterstützung in der Verarbeitung sexueller Traumatisierung ist es demzufolge wichtig, Übungen und Möglichkeiten anzubieten, die den Erwerb der fehlenden "gegengeschlechtlichen" Eigenschaften fördern: Die Arbeit mit dem inneren Kind z.B. ist bei Männern von Anfang an hilfreich, bei Frauen erst in einem späteren Stadium.

Im Idealfall kommt Charles Bronson also in die Jahre und James Dean gewinnt an Einfluß. Er spürt die Beschränkungen, die ihm seine Rolle auferlegt und versucht sich von bestimmten Vorgaben zu befreien. So entsteht Platz, sich der Traumaverarbeitung zuzuwenden. Wichtig ist dabei der Prozess der Annäherung an die Opferseite, das Zulassen von Gefühlen der Niederlage, der Schwäche. Dabei können "männliche" Eigenschaften durchaus von Nutzen sein: Die rationale Art kann die Erkenntnis erleichtern, dass es an emotionalen Fähigkeiten zu einer erfolgreichen Traumaverarbeitung fehlt. Disziplin hilft unter Umständen, kontinuierlich zu arbeiten. An die Fähigkeit Unangenehmes zu verdrängen, lässt sich in der Stabilisierungsphase der Traumaverarbeitung anknüpfen. (Es kommt hier sehr stark auf eine pragmatische Phantasie des unterstützenden Umfeldes und des Betreffenden selber an, die sich konkret an der einzelnen Person orientieren muss.)

I-Aah dagegen hat wesentlich schlechtere Karten. So nervig seine Einzigartigkeit, dieses "keinem geht es so schlimm wie mir" für UnterstützerInnen sein mag, so wichtig ist es die Einzigartigkeit nicht zu früh zu hinterfragen, sondern die darin liegenden Möglichkeiten zu nutzen: "Wenn Dein Leid so einzigartig ist, dann ist auch Deine Überlebensleistung einzigartig und dann bist Du doch eigentlich gar nicht das ewige Opfer." Die Selbstdefinition als "Überlebender" ist für I-Aah ein wichtiger Zwischenschritt, um den Objektstatus zu verlassen. In diesem Prozess registriert er u.a., welche "männlichen" Fähigkeiten er hat. Erst danach kann der Schritt vom Überleben zum Leben erfolgen, der dann allerdings erfordert, die Einzigartigkeit aufzugeben.

Jenseits des Mainstream?

Auf den ersten Blick scheinen zwei Gruppen aus dem bisher Gesagten herauszufallen, Männer, die als Junge von Frauen sexuell traumatisiert wurden und schwule Männer.

Das Geschlecht der TäterInnen

Zweigeschlechtlichkeit und damit Heterosexualität ist von der herrschenden Vorstellung von Männlichkeit nicht zu trennen. Diese Vorgabe ist in unterschiedlichem Maße verinnerlicht. Je stärker dies ist, desto wahrscheinlicher sind bei Jungen, die von Männern missbraucht werden, Befürchtungen homosexuell zu sein. Bei Jungen, die Opfer sexualisierter Gewalt durch eine Frau geworden sind, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Umdeutung in einvermehmliche Sexualität. Dies trifft aber nur für einen Teil der männlichen Opfer sexualisierter Gewalt zu:

  • Es gibt Jungen, die sehr genau spüren, dass es weniger um Sexualität, als um Macht geht. Sie haben unter Umständen eine größere Tendenz, generelle Abscheu vor Sexualität zu entwickeln.
  • Für manche Jungen hinterlässt u.a. die Tatsache, dass sexualisierte Gewalt sich der Sexualität bedient, eine starke Verunsicherung der sexuellen Identität, die sich in einer permanenten Unsicherheit und Unzufriedenheit mit den eigenen sexuellen Präferenzen äußern kann.
  • Für einige Jungen steht das Objektsein, die Ohnmacht und die Negierung als Subjekt im Vordergrund. Das Geschlecht des/der TäterIn tritt dahinter zurück. Es wäre sicherlich lohnend zu untersuchen, welchen Einfluss hierbei die vor hergegangene Sozialisation und welchen die Form der sexualisierten Gewalt hat.

Welche Gruppe wie groß ist, ist schwer zu sagen. Wir stehen gerade in der Wahrnehmung von Jungen vor der Frage, ob wir mit unseren Erwartungen nicht die gesuchten Ergebnisse produzieren. Bei der vorsichtigen Annäherung ans Thema, fällt auf, dass es scheinbar bei Jungen eine größere Anzahl von Täterinnen gibt, als bei Mädchen. Inwieweit dies in der Tat so ist, oder ob die sexualisierte Gewalt von Frauen gegen Mädchen, also gegen das eigene Geschlecht, ein noch größerer blinder Fleck und ein noch größeres Tabu ist, muss sich noch herausstellen. In Beratungsstellen ist teilweise der Anteil der Männer, die angeben, als Jungen ausschließlich oder unter anderem von Frauen missbraucht worden zu sein, bei 25%. In Untersuchungen liegt der Anteil der Täterinnen insgesamt zwischen 10 und 15% (Vgl. Kavemann & Braun, 2002).

Aufteilung des Geschlechts der TäterInnen

Täter Täterinnen
Gesamt 71,3% 28,7%%
Innerfamiliär 53,2% 46,8%
Näheres soziales Umfeld 83,3% 17,7%
Fremdtäterinnen 100% 0%
(Auswertung Beratungsprotokolle der Anlaufstelle Tauwetter 95 -97)

Auch wenn diese Zahlen sicherlich nicht repräsentativ sind, kann die Verteilung damit zusammenhängen, dass TäterInnen geschlechtsunabhängig Situationen ausnutzen, die sie unter Kontrolle haben. Nach wie vor sind Frauen für die Familie und die Kinderziehung zuständig. Es gibt auch Anzeichen, dass Jungen, die Opfer von Frauen werden, im Schnitt jünger sind. (Gerade hier gibt es bisher keine harten Fakten, sondern lediglich Erfahrungen aus der Beratungsarbeit, die ein Hinweis sein können, was sich lohnen würde, genauer zu betrachten.) Dies dürfte ebenso mit der Zuteilung der gesellschaftlichen Sphären zusammenhängen. Das Risiko, einem männlichen Täter zum Opfer zu fallen, steigt in dem Maße, wie der Junge sich mit zunehmendem Alter in den öffentlichen, "männlichen" Raum bewegt. Bei Tauwetter gaben 42,1% der Männer, die als Junge von einer Frau missbraucht wurden an, prinzipiell Angst vor anderen Menschen zu haben (gegenüber 27,6% bei männlichen Tätern). Dies würde zu einem jüngeren Durchschnittsalter passen, denn je früher die Traumatisierung, desto größer der Angriff auf die Bindungsfähigkeit. Weiter gaben 37,9% der Opfer männlicher sexualisierter Gewalt an unter einem gestörten Selbstwertgefühl zu leiden, gegenüber 15,5% der Opfer von Frauen. Es scheint, dass Jungen, die von Frauen missbraucht werden, eine größere Tendenz haben eine Opferidentität zu entwickeln, während Opfer von Männern mehr Neigung zur Überkompensation entwickeln. Was die Art der Opferidentität (passiv – aggressiv s.o.) angeht, so scheint es dass die aggressive Variante bei Männern, die von Frauen sexuell traumatisiert wurden, überproportional häufig vorkommt. Frauenhass taucht in der Beratung häufiger auf als Hass auf andere Männer. Ob dies dem realen Vorkommen entspricht, oder Ausdruck der spezifischen Beratungssituation ist, lässt sich nicht sagen; genauso wenig, ob es primär im Zusammenhang mit der erlebten sexualisierten Gewalt steht oder mit der Ignoranz, auf die sie bisher bei der Suche nach Hilfe zu oft getroffen sind.

Schwule Identität und sexualisierte Gewalt

Sexualisierte Gewalt ist in der schwulen Community leider immer noch ein Randthema. Das betrifft sowohl Gewalt in Partnerschaften, als auch die Abgrenzungsprobleme eines Teil der Schwulenbewegung gegenüber Pädosexuellen und vor allem sexualisierte Gewalt gegenüber jungen Schwulen während des Coming-Out. Prä-homosexuelle Jungen lassen sich in zwei Gruppen einteilen, jenen Teil, der seine Homosexualität nach einer "normalen" Jungensozialisation entdeckt und jenen, der frühzeitig ein ausgesprochen "unmännliches" Verhalten zeigt, was zu Ausgrenzung und Gewalt führen kann. Thomas Grossmann stellt die These auf, dass diese Opfererfahrung u.U. das Risiko erhöht, später Opfer sexualisierter Gewalt zu werden. Für alle Jungen ist die Phase des Entdeckens der eigenen Sexualität und des Ausprobierens eine Zeit, in der sie Gefahr laufen, dass sie Opfer sexualisierter Gewalt werden, in dem ihre Neugier sexuell ausgebeutet wird. Für schwule Jugendliche kommt als zusätzliche schwierige Phase das Coming-Out dazu: Für die meisten Jugendlichen ist kaum Information über schwule Sexualität zugänglich. Diese mangelnde Information und die jugendliche Unsicherheit werden teilweise von älteren Schwulen gezielt für sexuelle Übergriffe ausgenutzt. Viele schwule Männer, die Opfer sexualisierter Gewalt gewesen sind und die sich Beratung holen, sind sich ihrer sexuellen Orientierung unsicher (obwohl sie teilweise schon jahrelang schwul leben). Einige fragen sich "Bin ich wegen dem Missbrauch schwul geworden? Und was heißt das dann?" Diese Frage stellen sich sowohl Opfer von Frauen (seitdem habe ich Abscheu), als auch Opfer von Männern (seitdem bin ich geprägt). (Dass diese Frage von Heteros nicht so häufig formuliert wird, ist nicht Ausdruck eine größeren Verunsicherung bei schwulen Männern, sondern wohl der Tatsache zu verdanken, dass Heterosexualität die nicht zu hinterfragende Norm ist.) Für einen Teil der homosexuellen Männer, die als Kinder sexuell traumatisiert wurden, sind die Freiräume, die ihnen der schwule Sub bieten könnte, nur eingeschränkt nutzbar sind. Viele von ihnen haben massive Probleme mit Punkten, wie dem in ihren Augen oft grenzverletzend "offenen" Umgang mit Sexualität oder der Wichtigkeit, die die Selbstinszenierung teilweise hat. Sie sind so doppelt isoliert. Andererseits haben schwule Männer eher gelernt, mit anderen Männern über ihre Probleme zu reden, während Heteros gewohnt sind, solche Themen eher mit der Ehefrau/Freundin zu bereden. Das Durchbrechen der Normen der hegemonialen Männlichkeit, das Homosexualität auf alle Fälle darstellt, kann eine Chance sein, weniger zerstörerische Formen von Männlichkeit zu entwickeln. Ob das aber funktio-niert hängt oft von den örtlichen Normen der schwulen Männlichkeit ab.

Einige Anforderungen an Berater und Therapeuten

Nach diesen ganzen verschiedenen Aspekten bleibt die Frage, was braucht es in der Arbeit mit Jungen und Männern, neben den ganzen Anforderungen die unabhängig vom Geschlecht gelten, wie Fachwissen, persönliche Größe, Empathie, Transparenz ...?

Die Haltung

Zentral ist die Einstellung, mit der der Berater/Therapeut dem Hilfesuchenden begegnet. Das schönste Bild, für diese Haltung, das ich bisher gefunden habe, ist die ausgestreckte, offene, mit der Handfläche nach oben zeigende Hand. Sie ist universal das Zeichen, dass ich unbewaffnet bin. Sie ist eine Hand, die etwas auffangen und halten kann. Sie drückt die Bereitschaft aus, dem anderen entgegen zu kommen. Im Gegensatz zum männlich zupackenden Händedruck, ist sie ein Angebot: Das Gegenüber kann sie greifen, er muss es aber nicht. Die offene Hand respektiert die Grenzen des anderen und dringt nicht in seinen Raum ein. Diese Haltung ist unter Männern leider eher die Ausnahme, deshalb betone ich sie hier.

Selbsterfahrung

Ein Berater/Therapeut, der mit betroffenen Männern oder Jungen arbeitet, braucht ein gehöriges Maß an Selbsterfahrung, gerade was seine eigene Männlichkeit und den eigenen Umgang mit Niederlagen/Opfererfahrungen angeht. Er braucht diese Selbsterfahrung, um authentisch und kongruent auftreten zu können. Er muss kein Vorbild für eine andere Art von Männlichkeit sein, aber sollte in der Lage sein auch mit diesem Aspekt seiner Persönlichkeit offen und ehrlich umzugehen. Er sollte differenzieren können, zwischen für den Hilfesuchenden notwendigen Schritten und den gesellschaftlichen und auch seinen eigenen Rollenerwartungen.

Parteilichkeit

Jungen und Männer mit Opfererfahrung brauchen Parteilichkeit. Sie haben das Gefühl, mit ihrer Erfahrung gesellschaftlich ausgegrenzt zu sein. Sie brauchen eine klare Positionierung auf ihrer Seite, Solidarität und das Gefühl, angenommen zu sein. Das öffentliche Positionieren der Anlaufstelle oder des Beraters/Therapeuten gegen Gewalt gegen Jungen, gegen die herrschende männliche Norm ist für viele betroffene Männer ein wichtiges Signal, dass die Hemmschwelle senkt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie einzelne Männer, wenn sie nach Jahren in die Beratung kommen, berichten, dass sie sich genau an die und die Äußerung auf der und der Veranstaltung erinnern können.

Geschlecht der/des BeraterIn/TherapeutIn

Viele Männer und Jungen hätten vermutlich gar nichts dagegen, wenn ihnen eine Frau als Beraterin/Therapeutin gegenüber sitzt. Vielen fällt das Reden dann erst mal leichter, denn das Reden über persönliche Dinge unter Männern entspricht nicht den üblichen Vorstellungen von Männlichkeit. Der Schritt mit einem männlichen Berater/Therapeuten zu reden, ist ein Schritt, sich von diesen Vorstellungen zu verabschieden. Später wird der Berater/Therapeut auch als Mann wichtig, der andere Formen von Männlichkeit aufzeigen kann. Bevor der Betreffende aber an einen typisch männlichen "Stoffel" gerät, ist er mit Sicherheit bei einer Frau, die sich mit dem Thema auskennt, besser aufgehoben. In Anbetracht der wenigen kompetenten Männer, die in diesem Bereich arbeiten, gibt es vermutlich oft keine Alternative zu weiblichen Beraterinnen. (Bei Jungen oder Männern, die sich aufgrund der erlebten sexualisierten Gewalt nicht vorstellen können, mit einer Person des gleichen Geschlechts, wie der/die TäterIn zu sprechen, sind die Auswahlkriterien natürlich andere.)

Die Rolle des Beraters/Therapeuten

Für einen männlichen Berater/Therapeuten bieten sich zwei Rollen an, die an Rollen der herrschenden Männlichkeit anknüpfen und so den Zugang erleichtern: Der ältere, weise Ratgeber oder der gleichberechtigte Freund. Therapeuten mit zuwenig Selbsterfahrung und Selbstsicherheit tendieren gerne dazu, vorschnell in die Rolle des Weisen zu schlüpfen, um Verwicklungen zu vermeiden und Distanz zu halten. Der Nachteil bei dieser Rolle ist, dass der Weise auch Autorität ist. Wenn die sexualisierte Gewalt dem Opfer aber durch eine Autoritätsfigur angetan wurde, kann dies in der Anfangsphase zu unnötigen Problemen führen. Es muss in dieser Anfangsphase nicht da lang gehen, wo der Widerstand ist, jetzt sollte Vertrauensaufbau und Stabilisierung im Vordergrund stehen. Der gleichberechtigte Freund scheint für den Start die bessere Rolle zu sein. Sie ermöglicht einen wesentlich unbedrohlicheren Kontakt und traumatisierte Menschen brauchen Kontakt, Einlassen, Beziehung. Der Nachteil ist allerdings, dass dem gleichberechtigten Freund oft nicht die Kompetenz und Erfahrung zugesprochen wird, die als Voraussetzung für Unterstützung angesehen wird. Üblicherweise ist der Gleichberechtigte auch ein Konkurrent. Es kommt darauf an, an die positiven Seiten beider Rollen anzuknüpfen, aber über ihre Beschränkungen hinauszugehen. Das wäre so etwas wie ein weiser Freund, oder ein älterer "Blutsbruder". Dieser kann versuchen, die Zuweisungen der herrschenden Vorstellungen von Männlichkeit bewusst zu machen, sie zu hinterfragen oder auch für eine Veränderung zu nutzen und vielleicht sogar, mit ihnen zu spielen.

Ein Fazit

Wir haben auch über 15 Jahre, nachdem die ersten Beratungsstellen begannen, sich zögerlich dem Thema sexuelle Traumatisierung von Jungen zu nähern, mehr Fragezeichen als Antworten, wenn es um die geschlechtsspezifisch männliche Traumaverarbeitung geht. Erst in den letzten Jahren beginnt sich überhaupt ansatzweise eine Männerforschung zu entwickeln. Gerade männliche Traumaopfer brauchen dringend mehr Männer, die keine Probleme damit haben, "Nestbeschmutzung" zu begehen und sich in einer Gesellschaft, in der Männer das herrschende Geschlecht sind, gegen die herrschenden Normen von Männlichkeit zu wenden. Dass damit kein Blumenstrauss zu gewinnen ist und sich nur schwer Karriere machen lässt, ist naheliegend. Wir werden wohl noch eine Weile auf weibliche Entwicklungshilfe angewiesen sein.

 

Literatur

Butollo, Hagl u.a.: Kreativität und Destruktion posttraumati-scher Bewältigung - Klett-Cotta 1999 Conell, Robert W.: Der gemachte Mann – Leske & Budrich, 2000

Gahleitner, S.-B.: (2003). Geschlechtsspezifische Aspekte sexueller Gewalterfahrung. In A. Hilbig, C. Kajatin & I. Miethe, Frauen und Gewalt - interdisziplinaere Perspektiven (S. 217- 230). Wuerzburg: Koenigshausen & Neumann.

Grossmann, Thomas: Männliche Homosexualität in in Dirk Bange & Wilhelm Körner: Handwörterbuch Sexueller Miss-brauch - Hogrefe Verlag, Göttingen 2002.

Hermann, Judith L.: Die Narben der Gewalt – Junfermann 2003

Kavemann, Barbara & Gisela Braun: Frauen als Täterinnen in Dirk Bange & Wilhelm Körner: Handwörterbuch Sexueller Missbrauch - Hogrefe Verlag, Göttingen, 2002


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